Verein für Kanusport Bayer Leverkusen


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ÜL-Fahrt 2010 - Tessin PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von David Seehausen   
Mittwoch, 19. Mai 2010

Zunächst hieß es Westpyrenäen in die Nähe von Biarritz, dann hieß es Südtirol. Letzendlich ging die diesjährige Übungsleiterfahrt unter der Leitung von unserem Wildwasserwart Michael in den Süden der Schweiz. Ins Tessin auf einen Campingplatz bei Locarno in der Nähe vom "Lago Maggiore". Nach einer längeren Fahrt im strömenden Regen ging es am Donnerstagmorgen (Christi Himmelfahrt) auf die "Maggia ", die als optimalen Bach für die Vatertagstour ausgesucht wurde. Der Himmel klarte auf und der Regen hörte auf. Es ging ruhig los mit Wildwasser I-II, welches zum Warmfahren ausreichte. Man dachte schon "hm schade, dass hier nicht noch was kommt" bis plötzlich unter einer Straßenbrücke ein wuchtiger Schwall (WW III-IV) mit hohen Wellen auf uns wartete. Nachdem Barbara und Babsie am Campingplatz ausgestiegen waren ging es für die restliche Truppe, bestehend aus Thorsten, Hansi, Jonas, Robin, Christoph, Micha, Fabian, Philipp und David auf einem schwereren Stück bis WW IV noch ca. 4 km weiter. Die anschließend folgende unfahrbahre Schlucht wurde anschließend noch bestaunt. Der ganze Fluss verschwindet auf einmal in einer engen und tiefen Klamm in der sich der Fluss auf bis zu 4m Breite drängt.

VKL-Uebungsleiterfahrt - Tessin CH Gruppenfoto
 Die Übungsleiter auf der Fahrt im Tessin

Nach der Rückfahrt zum Camp folgte dann erst einmal das Paddelessen schlechthin: Nudeln mit roter Tomatensoße. Christoph schwärmte noch von "heißen Quellen", den "Bagni di Craveggia ", die sich an der oberen "Onsernone" befänden, in die er sich nach einer Paddeltour vor 3 Jahren gesetzt hatte. So nahmen die Übungsleiter am frühen Abend mehr oder weniger begeistert noch die Fahrt zur Onsernone auf. Es hieß: "Etwa 15 min. Fahrt, wenn überhaupt. Zu den Quellen müssen wir dann noch einmal gut 10 min. zu Fuß laufen". Aus der Fahrstrecke wurde dann eine knappe Stunde (welcher Pass musste noch einmal genommen werden) und der anschließende Fußweg dauerte auch nur etwa 45 min. Zunächst gab es noch asphaltierten Weg bis der Bach überquert wurde und nur noch ein kleiner Trampelpfad zu sehen war. Der Regen hatte inzwischen eingesetzt und der Trampelpfad wurde zugleich ein kleiner Bach der die Steine glitschig machte und die Schuhe nicht nur von außen nass machte. Endlich war ein kleines verfallenes Haus zu sehen. In diesem standen alte leere Badewannen (die waren aus dem 19. Jahrhundert!) und ein ca.5x3m großes Steinbecken mit einer Wassertiefe von etwa einem Meter. Schnell war das Becken mit 8 Leuten gefüllt. Das Wasser war zwar nicht warm, sondern eher gerade mal so warm, dass man nicht fror. Aus der Wand kam über eine kleine Rinne immer neues Wasser hinzu. Erst als wir wieder aus dem Wasser stiegen sahen wir, dass das Becken aus dem Jahre 1824 (!) war. Nach dem Rückwegbei starken Regen wurde dann kurzfristig noch eine kleine Bar im Ort Toceno aufgesucht, wo wir einen warmen Kakao bzw. eine warme Tasse Kaffee genossen. Endlich am Camp wieder angekommen freuten sich schon alle auf ihr kleines Bettchen.

VKL-Uebungsleiterfahrt - Tessin CH Therme
 Die Übungsleiter in der alten Therme

Am nächsten morgen wurde nach dem überprüfen der Pegelstände die Moesa (Hochwasser) als nächste Bach ausgesucht. Am Einstieg angekommen wurde die erste Stelle als etwa WW III+ eingeschätzt. Als sich geeinigt wurde welche Route denn nun gewählt werden soltle und Fabian, Micha und David losfuhren merkten wir schnell, dass wir die Stelle unterschätzten. Die Wasserwucht warum einiges stärker, so dass viele eine sehr andere Route wählten bzw. fahren mussten. David und Robin saßen auf einmal in der Mitte des Baches auf einem Stein fest und kippten fasst um. Die folgende Kernstelle (WW IV-V) wurde deshalb ausführlichst erkundet und auch von 3 Übungsleitern nicht gefahren. Die anderen meisterten die Stelle (nahezu) ohne größere Fehler. Der Bach wurde langsam einfacher doch blieb immer sportlich im WW III Bereich. Nach etwa 10 km stieg Babsie hinzu und wurde sogleich gefordert. Bis zum Ausstieg ging es in der "Wellenautobahn" schnell flussabwärts. Nach einem ausgiebigen Abendessen in der "Osteria da André " am Versasca-Stausee ging es dann zurück zum Camp. Die jüngeren begaben sich dann noch in die Altstadt von Locarno, wo man aber schnell feststellen musste, dass die Schweizer nicht so gerne tanzen gehen.

VKL-Uebungsleiterfahrt - Tessin CH Moesa
 Die Moesa bei Hochwasser

Am nächsten Tag entschied man sich kurzfristig dazu die obere Versasca zu paddeln, die eher als Unbekannt und Geheimtippgilt. Es ging steinig bei einfacherem Wildwasser los bis nach etwa 2 km ein längerer Katarakt mit WW V-V+ folgte. Hierfür reichte der Wasserstand aus und die folgenden Abfälle machten Lust auf mehr. Da die Versasca anschließend wieder breiter wurde folgte bis zum Ausstieg nur noch "Steinegeschrubbel", was uns aufgrun des guten Wetters aber weniger störte. Es folgte ein nettes gemeinsames Pizza-Essen im Camping-Platz-Restaurant . Am Abend entschieden sich dann Barbara, Philipp, Fabian und Hansi schon nach Hause zu fahren um noch den Sonntag frei zu haben. Die Anderen zog es an das Ufer des Lago Maggiores nach Ascona, welcher am Abend sehr beeindruckend aussah.

VKL-Uebungsleiterfahrt - Tessin CH Babsie obere Versasca
VKL-Uebungsleiterfahrt - Tessin CH Pizza essen
 Babsie auf der oberen Versasca
 Pizza essen in dem Camping-Platz Restaurant

Am letzten Tag wollten wir erst einen Bach fahren, der für alle fahrbar wäre. Da dieses aber zu wenig Wasser hatten und die Versasca aber noch ausreichend Wasser hatte (unteres Mittelwasser). Der Bach war voll mit Paddlern aus ganz Europa und die Ein- und Ausstiege waren voll mit Autos die mit Booten bzw. Dachgepäckträgern beladen waren. Die mittlere Versasca begann direkt mit Wildwasser IV und wurde zur sportlichen Herausforderung für alle Übungsleiter. Die folgenden Abschnitte bewegten sich immer zwischen WW IV und V und brachten bei dem für uns perfekten Wasserstand und strahlendem Sonnenschein wunderbaren Paddelspaß und Nervenkitzel pur. Nach dem ersten möglichen Ausstieg sahen wir uns noch die folgenden Stellen an, bei deren Anblick wir aber schnell feststellen mussten, dass hier für uns Ende war (es folgten WW V+ bis VI Stellen). An der WW VI Stelle trafen wir noch eine größere Paddelgruppe mit Thomas vom Blackfoot, die sich aber auch dafür entschieden hier die Fahrt zu beenden. Aufgrund der fortgeschrittenen Uhrzeit und den fast 800 km Heimweg, die noch vor uns lagen, verabschiedenen wir uns schnell von Micha, Christoph und Robin, die noch ein paar Tage länger blieben.

VKL-Uebungsleiterfahrt - Tessin CH Micha obere Versasca
 Micha im WW V Katarakt auf der oberen Versasca

Für uns ging es mit dem Vereinsbulli mitsamt Hänger Richtung Livorno und dann Richtung Basel. Nach nicht einer guten Stunde Fahrzeit ging plötzlich nichts mehr und wir standen mitten auf der Autobahn. Der Gotthard-Tunnel hatte uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Unser Plan, erst in Deutschland essen zu gehen, da wir dort ja wieder mit Euro zahlen konnten, da wir keine Franken mehr hatten, drohte zu scheitern. Alle Süßigkeiten waren schon aufgegessen und der Hunger machte sich breit. Doch der trieb uns dazu zu handeln. Wir fragten zwei Fahrer eines "Boicher Bullis" welcher direkt hinter uns stand und die ebenfalls gerade vom Versasca-Tal kamen, ob sie nicht etwas zu essen für uns hätten. Kurze Zeit später wurden Thai-Nudeln und ein kleiner Kocher ausgepackt und los ging es. Der erste Hunger war erst einmal gestillt. Doch wir standen immer noch. So trieb uns die Langeweile zum Volleyballspielen an der Autobahn, zu Laufwettbewerben und Jonas machte Handstand auf dem Playboater. Schüler eines Italienischen Reisebusses kommunizierten mit uns über beschriftete Blätter mit "We love you". Nach gut 3 Stunden stehen auf der Autobahn konnte die Fahrt dann endlich fortgesetzt werden. Nach einer kurzen Rast in einem Schellrestaurant auf einem Autohof hinter Basel ging es im Flug weiter nach Mannheim, wo wir uns von Babsie verabschiedeten. Um 05:05 Uhr, nach über 12 Stunden Fahrzeit erreichten wir endlich den Vorhof unseres Bootshauses. Da alle anschließend direkt zur Arbeit bzw. in die Schule mussten war an Schlaf nicht mehr zu denken. Gelohnt hat es sich trotzdem!

 

Ein Bericht von: David Seehausen

 

Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 19. Mai 2010 )
 
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